Sex Selbst
In 2026 macht Em Schwarzwald einen künstlerischer Zwischenstopp in einem autoethnografischen Prozess, der seit Jahrzehnten auf unterschiedlichen Wegen im Gange ist. Sex Selbst verbindet durch verschiedene Medien hindurch Selbstbeschreibung, transdisziplinäre Expertisen und politische Intervention, und sie fordert zu heilsamer Selbstgerechtigkeit auf. Die Arbeit räumt mit jenem propagandistischen Mythos auf, der sexuelle Gewalt im Außen und am liebsten im Fremden verortet. Stattdessen macht sie deutlich, dass diese Gewaltformen im Nahen und Bekannten zu Hause sind und dort alltäglich begangen und mitgetragen werden.
Durch Aktionen der Selbstbehauptung markiert Em Schwarzwald Begegnungen mit sexueller Gewalt, ihren Beteiligten und ihren Strukturen als Realitäten, die sie nicht hinnehmen und erst recht nicht gut sein lassen kann. Auch stellt die Künstler:in mit dieser Arbeit das Größerwerden des Kleinseins in den Raum und wirft damit die Frage auf: Was bleibt, was verändert sich?
Als Juristin, fundiert überzeugt von der immanenten Beschränktheit patriarchaler Institutionen, wenn es darum geht, Gerechtigkeit für Betroffene patriarchaler Gewalt zu leisten, will Em Schwarzwald individuell und kollektiv Möglichkeiten der Wiedergutmachung ergründen. Erfahrungen sexueller Gewalt sieht sie dabei als verkörpertes und kritisches Wissen, das Opfersein sprengt.
Sex Selbst ist ein emotionaler wie intellektueller Raum aus Installation, Zeichnung, Skulptur und Text, der jede:n zum Handeln durch Dasein, Sehen, Lesen, Hören, Denken, Erinnern, Schreiben und Miteinanderreden einlädt.
Die Arbeit trägt buchstäblich die Handschrift der Künstler:in.
Bestehend aus
Mädchen / We’ve got each other’s backs (2026) 185 x 60 x 15 cm
Zeichnung, Textil, Druck, Kapok, Holz, Metall, Aquarellfarbe
kussembargo / Reklame (2026) 330-400 x 100 x 60 cm
Handschrift, Text, Leuchtstoffröhre, Acrylglas, Aluminium, Stahl
My first orgasm / Taking the piss out of patriarchy (2025)
Keramik 24 x 10 cm Durchmesser (5 Teile), 15 x 15 cm (1 Teil)
Transforming a nightmare (2026) 148 x 108 cm
Zeichnung, Druck, Textil, Bettdecke, Stahl
Goldhex / 1. Folge: Following Loss (2026)
Hörstück, 3:20 min
Room for Complaint (2026)
Handschrift, Text, Stuhl, Tischchen, Stifte, Klippboard, Briefpapier, Kuverts, Stempel, Stempelkissen, Briefkasten
Dirty laundry in public / a gift (2026)
Handschrift, Text, Pigmentstift, Textil 220 x 4 cm (variable Anzahl)
Complaint! / I call it confrontation (2025)
Cut-Out-Zitate aus Complaint! (2021) von Sara Ahmed, Aquarellstift, Papier (112 x 76 cm)
Fotos: Oscar Cueto









